Erweiterung der Trocknungs- und Reinigungskapazitäten für die Alb-Leisa
Linsen werden auf der Schwäbischen Alb traditionell in Mischkultur mit Hafer und Gerste (lose eingesäte Stützfrüchte) angebaut. Sie sind schlechte Unkrautunterdrücker, und so kommen in der Mischkultur eine Vielzahl nützlicher Ackerwildkräuter hoch. Durch die lockere Einsaat der Stützfrucht können Lerchen besser auf den Schlägen landen, auch Wachteln hört man vermehrt auf Linsenfeldern. Linsen sind Leguminosen und sammeln Luftstickstoff im Boden, dadurch kann die Düngemenge reduziert werden. Die Alb-Leisa werden nach den Bio-Richtlinien der Anbauverbände angebaut.
Der Bioland-Landwirt Woldemar Mammel aus Lauterach hat vor über 20 Jahren als Pionier begonnen, die traditionelle Linsenproduktion auf der Alb wieder aufleben zu lassen und so dem Linsenanbau dort zu neuer Blüte verholfen. Begonnen hat Herr Mammel den Versuchsanbau mit einigen Ar Puy-Linsen, einer sehr schmackhaften, kleinen Linsensorte, die ursprünglich aus Frankreich kommt. Ein großer Erfolg für die Erzeugergemeinschaft war die Wiederentdeckung der Späth´schen Alblinsen 1 und 2, alter Kultursorten, die bis Ende der 1950er Jahre auf der Alb angebaut wurden und künftig von der Erzeugergemeinschaft angebaut und erhalten werden sollen. Die Späth`schen Alblinsen 1 und 2 wurde im St. Petersburger Wawilow-Institut (Russland), der ältesten Genbank der Welt, gefunden und dort von der Erzeugergemeinschaft abgeholt.
Die Produktion konnte bislang den Bedarf bei Weitem nicht decken, so dass die Erzeugergemeinschaft stetig wachsen soll. Im „Ländle“ allein ist die Nachfrage so hoch, dass die komplette Ernte 2008 bereits jetzt (März 2009) vergeben ist. Ziel der EZG ist es, zunächst den Bedarf in der Region und in Baden-Württemberg zu decken, deshalb wurde bereits Vertragspartnern wie z.B. „Manufaktum“ gekündigt.
Damit die Erzeugergemeinschaft sich vergrößern und damit auch die Produktion wachsen kann, muss die Aufbereitung des Ernteguts weiter professionalisiert und die Kapazitäten vergrößert werden. Das Gesamtkonzept der Erzeugergemeinschaft sieht von 2009 bis 2010 den weiteren Ausbau der Trocknung und der Reinigung vor. Vor diesem Hintergrund förderte PLENUM Schwäbische Alb in 2008 einen Bestandteil der Reinigungsanlage für die Erzeugergemeinschaft. Damit fielen externe Reinigungskosten weg und der Arbeitskrafteinsatz wurde reduziert. Der Erfolg gab der Erzeugergemeinschaft Recht: In 2008 bauten 22 Anbauer ca. 40 ha Linsen an und ernteten 30 t Linsen. Noch in 2007 bauten 13 Bauern ca. 30 ha Linsen an. Schon in diesem Jahr wird sich die Zahl der Anbauer auf 30 Betriebe erhöhen, die insgesamt ca. 70 ha Linsen anbauen wollen.
Zum einen möchte die Erzeugergemeinschaft die 2008 von PLENUM geförderte Reinigung in Lauterach mit einem Aspirateur und einem Trockner für Kleinpartien ergänzen. Zum anderen sollen die gesamten Trocknungskapazitäten für die Erzeugergemeinschafterweitert werden.
Erweiterung der Reinigung und der Trocknung auf dem Betrieb Mammel in Lauterach:
2008 wurde ein Gewichtsausleser zur Reinigung der Linsen angeschafft, der die Steine und leichte Bestandteile rausreinigt und damit die letzte Reinigungsstufe darstellt. Diese Maschine muss um eine Staubabsaugung ergänzt werden. Sie soll in 2009 angeschafft werden.
Nach der Ernte wird das noch feuchte Linsen-Getreide-Gemenge zunächst grob von Beikrautsamen, leeren Hülsen und anderen leichten Bestandteilen gereinigt. Das geschieht derzeit in einem alten Aspirateur („Wind- und Siebreiniger“) mit Holzgestell. Das nasse Erntegut stellt allerdings hohe Anforderungen an die Maschine: die Rüttelgeschwindigkeit und die Durchlaufmenge müssen überdurchschnittlich hoch sein, was die alte Maschine zu stark beansprucht. Ihre eigentliche Aufgabe ist die Reinigung des trockenen Ernteguts sowie die Trennung von Linsen und Getreide. Für den ersten Reinigungsschritt soll nun ein Aspirateur mit Stahlgestell angeschafft werden, der für die hohen Belastungen geeignet ist.
Die ergänzte Reinigung kann jährlich bis zu 300 t Linsen (ca. 700 to Gemenge) verarbeiten. Das entspricht einer Anbaufläche von ca. 350 ha bzw. rund 150 Anbauern. In 2009 soll die Anlage ca. 150 t Gemenge verarbeiten.
Einen weiteren Engpass gibt es in der Trocknung von kleinen Mengen Erntegut. Derzeit wird das Erntegut fast ausschließlich in Lauterach auf Mammels Betrieb in einer Satztrocknung getrocknet. Aus Gründen der Rückverfolgbarkeit werden die Partien der einzelnen Betriebe getrennt voneinander getrocknet. Dabei konnten Betriebe, die Kleinstmengen (0,5 ha bis 1 ha) haben, nur mit großem Aufwand berücksichtigt werden, da die Mengen in der Satztrocknung entweder zu hoch erhitzt oder aber von der warmen Luft aus dem Silo geblasen werden. In diesem Fall wurde das Gemenge dann in alten Holzsilos mittels Kaltbelüftung getrocknet. Die Gefahr, dass das Erntegut unbrauchbar wird, ist hier sehr hoch. In 2009 wollen Mammels nun einen Durchlauftrockner anschaffen, in dem kleine Mengen problemlos getrocknet werden können. Ein Nasssilo ergänzt die Trocknung, aus dem das Erntegut nach und nach in das Silo läuft. Mammels werden in Zukunft ca. 60 t Linsen-Getreide-Gemenge pro Saison zur Trocknung aufnehmen.
Zusätzlich soll die Fördertechnik erneuert und aufgerüstet werden, so dass die Leistung der kompletten Anlage von derzeit 6 t/h auf bis zu 20 t/h steigt.
Erweiterung der Trocknungskapazitäten auf dem Betrieb Holzschuh in Hausen ob Urspring und auf dem Betrieb Wahl in Eglingen
Linsen müssen nach der Ernte sofort getrocknet werden, da sie sehr schnell von Pilzen befallen werden oder keimen, was die Linsen unverkäuflich macht. Bisher werden sie hauptsächlich auf dem Betrieb der Familie Mammel getrocknet, 4 Betriebe haben die Möglichkeit, ihr Linsen-Getreide-Gemenge (insgesamt ca. 30 to) in der eigenen Getreidetrocknungsanlage zu trocknen.
Im kommenden Jahr erwartet die Erzeugergemeinschaft 185 t frisches Erntegut, Mammels können bis zu 60 t aufnehmen. Im Hinblick auf eine weitere Vergrößerung der Erzeugergemeinschaft in den nächsten Jahren, die Empfindlichkeit des Ernteguts und die Tatsache, dass Mammels ihren Schwerpunkt auf Reinigung und Abpackung legen wollen, soll die Trocknung dezentralisiert werden. Die Betriebe Holzschuh in Hausen und Wahl in Eglingen wollen ihre bestehende Trocknung erweitern bzw. eine neue erstellen. Um die Trocknungen auszulasten, soll neben den Linsen auch der Schwäbische Alb-Dinkel und –Weizen getrocknet werden. Die Anlage soll bei Holzschuhs zu ca 80% mit Linsen ausgelastet sein, bei Wahls zu ca 75%.
Bioland-Betrieb Wahl, Hohenstein-Eglingen
Die bestehende Anlage auf dem Betrieb Wahl wurde bislang zur Getreidetrocknung (Alb-Weizen und Alb-Dinkel) genutzt und soll in Zukunft zusätzlich bis 80 t Linsen-Getreide Gemenge zur Trocknung aufnehmen können. Um die Linsen zusätzlich aufnehmen zu können, will Herr Wahl seine Anlage mit folgenden Elementen aufrüsten:
·Förderanlagen für die Annahme und den Transport des Ernteguts
·ein Nass- und Trockenlager (jeweils 9 t) für den vorhandenen Durchlauftrockner mit einer Leistung von 1 to/h (4% Feuchtereduzierung)
·5 zugehörige Lagersilos mit einer Gesamtkapazität von 90 t.
Betrieb Holzschuh, Schelklingen-Hausen
Die bestehende Anlage auf dem Betrieb Holzschuh, die bisher nur zur Getreidelagerung genutzt wird, soll ebenso um verschiedene Elemente ergänzt werden, um in Zukunft bis maximal 90 tLinsen-Getreide-Gemenge trocknen zu können: Dafür ist eine zusätzliche Förderanlage, bestehend aus Horizontalförderschnecken und einem Elevator (Höhenförderer), jeweils ein Silo über und unter dem bereits angeschafften Trockner und ein Schornstein nötig, der die Abgase des Warmlufterzeugers aufnimmt. Auch ein schon angeschaffter Aspirateur wird in die Anlage integriert.
Diese drei Projekte tragen dazu bei, dass die Linsenanbaufläche und damit der Linsenertrag im PLENUM-Gebiet weiter steigen kann von derzeit 40 ha auf 70 ha in 2009. Mittelfristiges Ziel der EZG bis 2011 ist eine Steigerung der Anbaufläche auf 120 ha. Die sukzessive Erweiterung der Aufbereitungskapazitäten ist unverzichtbarer Teil des Weiterentwicklungskonzepts der Erzeugergemeinschaft. Ohne den Ausbau der Kapazitäten kann die Zahl der Anbauer nicht wachsen. Die Linse als schwäbisches Nationalgericht und ihr besonders naturschutzfreundlicher Anbau werben in besonderer Weise für unser PLENUM- und Biosphärengebiet






